"Jemand muß zuhause sein, Herr, wenn du kommst. Jemand muß dich erwarten, unten am Fluß vor der Stadt. Jemand muß nach dir Ausschau halten, Tag und Nacht. Wer weiß denn, wann du kommst? Herr, jemand muß dich kommen sehen durch die Gitter seines Hauses, durch die Gitter – durch die Gitter deiner Worte, deiner Werke, durch die Gitter der Geschichte, durch die Gitter des Geschehens immer jetzt und heute in der Welt. Jemand muß wachen, unten an der Brücke, um deine Ankunft zu melden, Herr, du kommst ja doch in der Nacht, wie ein Dieb. Wachen ist unser Dienst. Wachen. Auch für die Welt. Sie ist oft so leichtsinnig, läuft draußen herum und nachts ist sie auch nicht zuhause. Denkt sie daran, daß du kommst? Daß du ihr Herr bist und sicher kommst? | Jemand muß es glauben, zuhause sein um Mitternacht, um dir das Tor zu öffnen und dich einzulassen, wo du immer kommst. Herr, durch meine Zellentüre kommst du in die Welt und durch mein Herz zum Menschen. Was glaubst du, täten wir sonst? Wir bleiben, weil wir glauben. Zu glauben und zu bleiben sind wir da, – draußen, am Rand der Stadt. Herr, und jemand muß dich aushalten, dich ertragen, ohne davonzulaufen. Deine Abwesenheit aushalten ohne an deinem Kommen zu zweifeln. Dein Schweigen aushalten und trotzdem singen. Dein Leiden, deinen Tod mitaushalten und daraus leben. Das muß immer jemand tun mit allen anderen und für sie. Und jemand muß singen, Herr, wenn du kommst! Das ist unser Dienst: Dich kommen sehen und singen. Weil du Gott bist. Weil du die großen Werke tust, die keiner wirkt als du. Und weil du herrlich bist und wunderbar, wie keiner. Komm, Herr! Hinter unsern Mauern unten am Fluß wartet die Stadt auf dich. |